Karl Siegl, Dipl.-Ing.

© Karl Siegl

Ingenieurkonsulent für Raumplanung und Raumordnung

Die Notwendigkeit, dieses Areal als Freifläche zu erhalten und eine Umgestaltung in Richtung Entsiegelung und Begrünung vorzunehmen ist wohl unbestritten.”

Interview

Ich würde Sie bitten sich kurz vorzustellen.

Dipl.Ing. Karl Siegl, freiberuflich tätiger Raumplaner

Welche Nutzung dieser großen Fläche wäre Ihrer Ansicht nach die sinnvollste aus raumordnungsfachlicher Sicht?

Die sinnvollste Nutzung des Areals wird wohl auf Anhieb schwer zu definieren sein. Tatsache ist, es handelt sich um eine große innerstädtische, unbebaute Fläche an der Schnittstelle der dicht bebauten, nach wie von von einer massiven Unterversorgung mit öffentlichen Grünflächen betroffenen Bezirke Wieden, Margareten und Mariahilf. Im westlichen Anschluss an den Naschmarkt, als (ehemaliges) Nahversorgungszentrum für die drei angrenzenden Bezirke – heute großteils umgenutzt in eine Gastro- und Tourismus-Meile – verblieb hier ein in seiner Funktion, Nutzung und Gestaltung nie klar definierter Bereich, dominiert von temporären Nutzungen als KFZ-Abstellfläche, Flohmarktgelände und im Bereich östlich der U-Bahnstation als Fläche des “Bauernmarktes”.

Das bestehende Erscheinungsbild ist eine durchgehend versiegelte, von der Nutzung als KFZ-Abstellplatz dominierten Beton- und Aspahltwüste, mit all ihren negativen Auswirkungen auf Mikroklima, Stadtökologie und Stadtgestalt und ohne jede Freiraumqualität. Die Notwendigkeit, dieses Areal als Freifläche zu erhalten und eine Umgestaltung in Richtung Entsiegelung, Begrünung, etc. vorzunehmen ist wohl unbestritten.

Wesentliche Aufgabe aus meiner „raumplanerischen“ Sicht wäre allerdings, vorab die auf die Bedürfnisse der im fußläufigen Einzugsbereich der Fläche wohnenden Bevölkerung abgestimmten, zukünftigen Funktionen des Bereiches zu definieren. Natürlich unter Berücksichtigung der Standortgunst und der Standortdefizite des Bereiches und ev. auch der zukünftigen Flächenansprüche der hier etablierten Einrichtungen des Flohmarktes und des Bauernmarktes  – nur so werden sinnvolle und nachhaltige Funktionen für das Areal westlich des Naschmarktes gefunden werden können.

Wie sehen Sie die aktuellen Entwürfe einer Markthalle am Naschmarkt Parkplatz, aus Ihrer Fachperspektive?

Soweit mir die Entwürfe bekannt sind, sehen diese eine permanente Überdachung eines Teils der Fläche vor, deren Qualität im Hinblick auf Stadtgestalt, Stadtökologie und Mikroklima wohl anzuzuweifeln ist. Ob eine solche Überdachung des Bereiches überhaupt notwendig ist, – oder sie nicht vielleicht für „Teilfunktionen“ (z.B. Flohmarkt, Bauernmarkt,..) als Sonnen-/Wetterschutz, eventuell in einer temporär flexiblen Form (mobile Sonnensegel o.ä.) mehr Sinn machen würde und auch ökologischen Anforderungen gut ensprechen könnte, kann aber meiner Meinung nach erst nach der Definition der angeführten „sinnvollsten Funktionen“ für den Bereich entschieden werden.

Die Errichtung einer großvolumigen Halle, die auch aus mikroklimatischer Sicht  die Funktion des Wientals als „Frischluftschneise“ negativ beeinflussen könnte, ist natürlich abzulehnen. Aber eine solche Ausführung dürfte derzeit ja ohnehin kein Thema sein.