Cordula Bösze

© Maria Frodl

Musikerin, 6. Bezirk

“Die Bezirke 4, 5 und 6 sind sehr dicht verbaut – und atmen noch immer hauptsächlich mit Innenhöfen. Die Stadt heizt sich hier ordentlich auf. Es braucht wohl so viel Grün, wie nur möglich – und mehr Platz zum Gehen und Radfahren.”

Interview


Ich würde Sie bitten sich kurz vorzustellen und Ihre Beziehung zum Naschmarkt zu beschreiben.

Ich bin als Musikstudentin in den 6. Bezirk gezogen und habe die Nähe zum Flohmarkt, wie auch zum Naschmarkt immer genossen. Wenn schon Stadt, dann mittendrin! Mittlerweile bin ich freiberufliche Flötistin und unterrichte an einer Musikschule in Niederösterreich. Zum Einkaufen und auch zum Frühstücken oder zu Mittag gehe ich gern „schnell mal runter“.

Wie stehen sie zu der Idee der geplanten Markthalle am Naschmarkt Parkplatz

Eine Markthalle wäre für mich eine Schnaps-Idee. Der Markt ist ja in den vergangenen Jahren in Wirklichkeit viel kleiner geworden. Es gibt nun viel mehr Restaurants, Imbisse – und Ramschläden für Touristen. Einzig die Bauernstandln und Bio-Anbieter sind mehr geworden, doch die brauchen doch keine neue Halle!

Was fehlt dem Naschmarkt Parkplatz aktuell aus Ihrer Sicht?

Die Bezirke 4, 5 und 6 sind sehr dicht verbaut – und atmen noch immer hauptsächlich mit Innenhöfen. Die Stadt heizt sich hier ordentlich auf. Es braucht wohl so viel Grün, wie nur möglich – und mehr Platz zum Gehen und Radfahren. Ich habe kein Auto und wundere mich über immer größere Fahrzeuge, die durch die engen Gassen fahren und überall abgestellt werden. Warum muss ich mir so etwas anschauen? Riesige Flächen voller Blechkisten, grauslich. Innerhalb des Gürtels sollte es aus meiner Sicht noch viel weniger Autoverkehr geben und mehr Platz für Menschen (hier wurde in den vergangenen Jahren einiges erreicht, doch da geht noch mehr!).

Was wäre Ihnen bei der Umgestaltung des Platzes wichtig?

Wichtig fände ich bei der Umgestaltung, dass nicht nur Architekt:innen etwas zeichnen, sondern dass Initiativen in die Planung einbezogen werden, denen das Zusammenleben der Menschen wichtig ist und die es mitgestalten möchten.

Was soll verändert und was erhalten bleiben?

4., 5. und 6. Bezirk sind durchzogen von Bächen und dem Wienfluss. Viele Gassennamen erinnern an die Mühlen, die es früher hier gegeben hat. Ich fände es nicht schlecht, wenn wieder mehr Wasser in der Stadt zugänglich gemacht werden könnte. Bäume, Sträucher, Blumen, Spielplätze, Lebensraum, an dem sich Menschen gerne aufhalten und der zum Gehen anregt. Vielleicht sollten wir auch Gemüse und Obst anbauen.